Eine Beerdigung in Lesotho

Sr Fides ist im Alter von knapp 70 Jahren in Mohale’s Hoek verstorben, deshalb war am vorherigen Samstag ihre Beerdigung. Bis auf Sr Annah sind alle mitgekommen, im Auto war kein Platz mehr für sie. Obwohl ich mich auch mit einem Platz auf der Rückbank zufrieden gegeben hätte, durfte ich vorne sitzen, um mich mit Sr Adelberta beim Fahren abzuwechseln.
Die erste Stunde Fahrt wurde als Meditation schweigend verbracht. Ich habe sie genutzt, um noch ein wenig Schlaf nachzuholen. 😛 Denn ich bin um 5:20 Uhr aufgestanden, weil wir um 6 Uhr los wollten. Deshalb war es mir auch ganz Recht, dass Sr Adelberta mit dem Fahren anfing.
An der Grenze lief es dann wie folgt ab: parken und aussteigen um den Pass von einem südafrikanischen Beamten abstempeln zu lassen, im Auto über die Grenze fahren und die Gebühren bezahlen (umgerechnet 2.50€), wieder parken um ein Formular des Königreichs Lesotho mit Angaben über den Reisepass und Aufenthaltsort und -zeit auszufüllen, Pass abstempeln lassen. Auf südafrikanischer Seite waren ein Fahnenmast mit beiden Staatsflaggen, Barrieren und mehrere Gebäude mit grünem Dach (darunter auch eine Toilette). Auf lesothischer Seite nur eine Schranke und ein kleines Häuschen. Es war das erste Mal, dass ich eine Grenze außerhalb Europas nicht mit dem Flugzeug überquert habe.

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In dem Gebäude rechts wurde der Pass von einem südafrikanischem Beamten abgestempelt, danach durften wir unter dem Dach hinüber zur lesothischen Grenze fahren.

Als es weiter gehen sollte, hieß es dann, die Straßen in Lesotho seien noch schlechter als in Südafrika. Deshalb könne Sr Adelberta wohl weiterfahren. Letztendlich war die Straße in Lesotho immer geteert (was in Südafrika um Wepener herum nicht der Fall war) und die Löcher wurden netterweise mit weißer Farbe eingeklammert. Wenn sie dadurch auch nicht verschwinden, so konnte man sie wenigstens eher sehen. Allerdings muss ich zugeben, dass einige Straßen erst seit kurzer Zeit geteert sind.
Als wir dann beim Ordenshaus angekommen sind, war erst keine Menschenseele zu sehen. Eine der dort wohnenden Schwestern zeigte uns schließlich, wo wir parken können und – viel wichtiger für einige – wo die Toiletten sind. Nachdem ich einen Programmzettel in die Hand gedrückt bekam, kam ich zu der Stelle, wo der Sarg in einen Pickup mit Überdachung (ich weiß nicht, wie ich das sonst nennen oder beschreiben soll; wenn jemand das weiß, kann sie/er das ja als Kommentar schreiben; solche Autos sieht man hier öfter) verlanden wurde.
Anschließend gingen singend wir zu Fuß hinter dem Auto her zur „Cathedral“, wobei ich das eher mit Kirche übersetzen würde. Das Gebäude hatte eine T-Form, in der Mitte war der Altar und von drei Seiten jeweils zwei Bankreihen. Ich saß mit den Nonnen in dem senkrechten Stück. Irgendwann gingen ziemlich viele nach vorne. Ich dachte, ich bleibe lieber sitzen, weil ich die Verstorbene noch nie gesehen hatte und nicht unnötig Aufmerksamkeit erregen wollte. Wie ich später erfahren sollte, war es die Kollekte. Daran muss ich mich auch noch erst gewöhnen: Bei den afrikanischen Messen geht jeder nach vorne, um ein Grundstück in den dafür vorgesehenen Korb zu geben. (Ein ausführlicherer Bericht über Kirche im Allgemeinen folgt noch.)
Als die Kommunion dann stattfand, habe ich das auch erst relativ spät geschnallt, sodass ich als eine von den letzten nach vorne ging. Vorm Altar stand der Sarg, was an sich ja nichts ungewöhnliches ist. Als ich jedoch daneben stand, stellte ich plötzlich erschrocken fest, dass ich das Gesicht der Verstorbenen sehen konnte.  Über dem Kopf war im Sarg nur eine Glasscheibe und der Holzdeckel lag daneben. Das war das erste Mal, dass ich eine Tote in echt gesehen habe. Nach dem ersten Schreck fand ich das eigentlich ganz interessant, aber ich wollte auch nicht ewig auf das Gesicht starren, deshalb ging ich weiter, um die Hostie in Empfang zu nehmen.
Danach hoffte ich, dass ich Messe bald zu Ende sein würde, schließlich waren wir schon seit zwei Stunden in der Kirche, mir war zwischendrin ziemlich schwindelig und ich war kurz vorm Einschlafen. Der schlimmste Teil sollte aber noch kommen: eine Stunde lang Reden von allen möglichen Personen. Angefangen von einem Familienmitglied über Ordensangehörige, Bürgermeister bis zum über 80jährigen Bischof. Die Priester saßen auf Hockern hinter dem Altar und verschwanden während der Reden immer mal wieder durch Türen in der Rückwand. Einige von ihnen machten einen extrem gelangweilten Eindruck, einer ist sogar eingeschlafen und wurde durch einen Rippenstoß von seinem Nachbarn wieder aufgeweckt.
Nach einem Magnificat und Abschlussgebet ging es wieder zu Fuß und singend hinter dem Auto zurück zum Grab neben dem Ordenshaus. Das Auto fuhr bis an jenes heran, um den Sarg ins Grab hinabzulassen. Singend blieben alle am Grab, bis es mit Erde gefüllt war. Vorher wurden die Programmzettel wieder eingesammelt und mit in das Grab geben. Das ist ein hier üblicher Gebrauch. Sr Sophia meinte später dazu, nachdem Sr Adelberta uns das erklärt hatte: „Dann fliegen die wenigstens nicht als Müll in der Gegend herum.“
Danach gab es Essen vom Buffett. Unterwegs mussten wir uns noch die Hände waschen, auch ein Brauch, genau wie eine ganze Kuh zu schlachten. Das Fleisch wurde in drei Variationen angeboten: paniert, in kleinen Bällchen und in grau. Ich habe alles probiert und dachte, das erste wäre das leckerste und das letzte das am wenigsten lecker. Genau das Gegenteil war aber der Fall. Das panierte habe ich nicht einmal aufgegessen, weil es erstens kalt war und ich zweitens nicht genau herausfinden konnte, was genau (Panade, Fleisch oder Knochen) ich gerade im Mund hatte. Bei Fleisch bin ich ziemlich pingelig. Dazu habe ich Erbsen und Möhren und „Samp“ (Maisbrei) gegessen.
Als Getränk wurde eine Art Ginger angeboten, der im ersten Moment süß und lecker war, dann aber sauer/scharf wurde. Ich kann das nicht genau beschreiben, aber es war total unangenehm. Dementsprechend froh war ich, als ich das in zwei Anläufen auf hatte und dass auf dem Tisch eine Karaffe mit Wasser stand, aus der ich mir reichlich nachgefüllt habe, um den Geschmack wegzuspülen. Als Nachtisch gab es ein Gebäck, das ich richtig lecker fand.
Am Ende des Saals war ein extra Tisch für die Familienangehörigen. Die Wand dahinter war mit violetten und weißen Tüchern und Schleifen bedeckt, was meiner Meinung nach ziemlich kitschig aussah.
Nach dem Essen mussten wir uns wieder für den Rückweg rüsten, schließlich lagen noch vier Stunden Fahrt vor uns und es ist nicht gerade empfehlenswert, einige Straßen wegen der Schlaglöcher im Dunkeln zu benutzen.
Unser Auto stand im Weg, und weil Sr Adelberta sich gerade auf die Suche nach den Simbabwerinnen gemacht hatte, habe ich das Auto zur Seite gefahren. Also bin ich auch in Lesotho schon einmal Auto gefahren. Sr Adelberta hat dann aber wieder übernommen, damit ich Fotos machen kann, was ich auch gründlich genutzt habe. (Leider kann ich nicht so viele Fotos hochladen, das gibt die Internetverbindung nicht her.)
Glücklicherweise hat meine Kamera bis zum Schluss durchgehalten, obwohl der Akku schon rot geblinkt hat.
Ich dachte, Lesotho und Südafrika würden sich nicht in der Landschaft, sondern in Geschäften und Wohnhäusern unterscheiden.

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Shoprite gibt es auch in Botshabelo

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Runde Häuser waren extrem selten zu sehen, meist sahen sie so wie in Südafrika aus.

Aber es war wieder einmal eher das Gegenteil der Fall: die Berge waren höher in Südafrika und die Bodenerosion extrem.

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Außerdem waren die Häuser nicht so auf einer Stelle geballt, sondern fast gleichmäßig verteilt. Deshalb hat man auch ganz oft Fußgänger gesehen, die ebenfalls die Straße benutzten. Deswegen und weil es keine Zäune gibt, um das Vieh von der Straße abzuhalten, sind auch nur 50 km/h (in Südafrika sind innerorts 60 km/h) erlaubt. Ich hatte während der ganzen Fahrt das Privileg vorne zu sitzen, mit viel Platz für meine kurzen Beine zu haben und Fotos durch die Frontscheibe zu schießen, ohne großartig gefahren zu haben.

Über den Blog

Endlich habe ich es – wie man sieht – trotz der schlechten Internetverbindung geschafft, meinen eigenen Blog zu erstellen. Das mich Mühen und einiges an mobilen Daten gekostet, da immer wieder Probleme auftauchten, wenn ich gedacht habe, jetzt kann ich loslegen. Die Hindernisse sind beseitigt und ich hoffe, dass so schnell erst einmal keine weiteren erscheinen.
Weil ich von WLAN nur träumen kann und mich auf das nötigste beschränken muss, bitte ich das vielleicht nicht gerade ansprechende Design zu entschuldigen. An dieser Stelle möchte ich auch anmerken, dass dies mein erster Blog ist. Deshalb bitte ich, mir eventuelle Fehler nachzusehen.
Ich hoffe, dass ihr euch trotzdem wohlfühlt und ich euch einige interessante Artikel bieten kann. Über Kommentare jeglicher Art (Anregungen, Kritik und Resonanz) würde ihr mich sehr freuen. „Don’t be too shy!“

Botshabelo

Am 17. September 2013 bin ich am Nachmittag am Bram Fisher Flughafen in Bloemfontain gelandet. Ich war ein wenig enttäuscht und irritiert, dass ich unter mir nur Land und vereinzelt ein paar Häuser gesehen habe. Wie ich nachher erfahren sollte, liegt der Flughafen ziemlich ausserhalb der Stadt. Zum Glück hat Sr Adelberta mich vom Flughafen abgeholt, ich hätte nicht gewusst, wie ich mit öffentlichen Transportmitteln die 61 Kilometer nach Botshabelo hätte bewältigen sollen. Nach einer Fünfzigminütigen Fahrt (was in Südafrika keinesfalls weit ist, zum Einkaufen fahren wir oft nach Bloemfontain), sind wir angekommen.
Obwohl Botshabelo offiziell eine Stadt ist, sieht es hier eher ländlich aus: Die Häuser sind teilweise aus Metallblechen gebaut und nur ganz selten zweistöckig. Es gibt hier weder Abwasser- noch Telefonleitungen. Laut einer Statistik habe jeder Einwohner Südafrikas ein Handy, aber nur jeder dritte eine Toilette mit Spülung. Deshalb sieht man neben den Häusern auch immer Toilettenhäuschen auf den Grundstücken.
Hier in diesem Haus leben neben der Oberin Sr Adelberta aus Deutschland noch Sr Alicia aus Irland, Sr Sophia, Sr Annah und Sr Judith aus Simbabwe. Bis auf Sr Annah, die Kinder betreut, sind alle anderen Krankenschwestern. Der Orden betreut in Botshabelo vier verschiedene Projekte:
1. HIV/AIDS-Zentrum: Die Patienten kommen regelmäßig am Montag um Blut abgenommen zu bekommen, das zur Untersuchung ins Labor geschickt wird. Meistens wird der „CD4 count“ untersucht. Je höher dieser, desto niedriger der „Viral Load“, desto besser.

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Viral Load = Geschwindigkeit des Zuges; CD4 count = verbleibende Strecke

Dienstag kommt der Arzt und fragt die Patienten, ob mit der Medikamenteneinnahme alles in Ordnung ist. Wenn nicht, überweist er sie. Mittwochs bekommen die Patienten dann ihre Medikamente. Im Monat sind das 965 Patienten, jeder bekommt drei verschiedene Präparate, bei denen sich je nach Konstellation die Dosierung und Einnahmezeit ändern kann. Patienten, die ihre Medikamente nicht nehmen, werden am Freitag besucht. Dabei wird versucht, herauszufinden, warum sie das nicht tun, und eventuell das Problem zu lösen.
2. „Clinic“: Die Menschen aus ganz Botshabelo kommen zu uns, wenn sie Schmerzen haben. Es gibt zwar auch eine staatliche Klink in der Nachbarschaft, aber die Behandlung dort ist nicht gut. Nachdem der Blutdruck gemessen und der Urin getestet worden, werden die Patienten auf Sesotho nach ihren Beschwerden gefragt, sie werden untersucht und ihnen werden Medikamente verschrieben. Wie sie die einnehmen müssen, wird ihnen auch in Sesotho erklärt. Deshalb arbeiten auch drei Einheimische neben den Schwestern dort.
3. Tageszentrum für Waisenkinder und Kinder in Not
4. Tageszentrum für behinderte Kinder
Über die letzten zwei Projekten kann ich bis jetzt noch nichts sagen, da ich bis auf eine besondere Ausnahme bis jetzt noch nicht gearbeitet habe.