Über 24h ohne fließend Wasser

Ich möchte das Thema nicht zu sehr aufblähen, weil ich weiß, dass andere überhaupt kein fließendes Wasser haben. Da es in Deutschland aber total normal ist, dass das Wasser immer aus dem Wasserhahn kommt, möchte ich mein Erlebnis mit euch teilen.
Dass das Wasser für einige Zeit nicht mehr aus dem Hahn kommt, ist nichts ungewöhnliches hier. Zum Beispiel abends, wenn es längere Zeit nicht geregnet hat und die Leute ihren Garten sprengen. Meistens handelte es sich dabei aber höchstens um Stunden, ich konnte es also gut verkraften. Zudem sind immer zwei große Eimer mit Trinkwasser gefüllt, aus denen man sich dann bedienen kann. Womit ich jedoch mehr Probleme habe, ist wenn in der Leitung Luft ist und deshalb erst kein Wasser und es dann explosionsartig kommt, sodass alles nass wird. Allerdings ist das auch nicht tragisch/großartig schlimm, da durch die geringe Luftfeuchtigkeit alles ruckzuck wieder trocken ist.
Diesmal war das Wasser nach den Nachrichten um 19 Uhr nicht mehr da. Zum Glück hätten wir für den Abwasch nach dem Abendessen noch fließendes Wasser. Wir haben keine Spülmaschine, aber da alle sechs mithelfen, ist das schnell erledigt.
Vor meinem Zimmerfenster herrschte an diesem Abend reger Verkehr, da jeder, der auf’s Plumpsklo will, an jenem vorbei muss. Sr Sophia und ich ließen uns dadurch nicht stören, wir haben etwas an dem Computer in meinem Zimmer recherchiert. Plötzlich klopfte es. Sr Sophia sagte ja bitte und herein, doch die Geräusche hörten nicht auf. Ich musste das Lachen unterdrücken, weil ich das Klopfen an dem Fenster überhaupt nicht ernst nahm. Es war Sr Annah, die uns Angst einjagen wollte. Ich habe mir das schon fast gedacht, da ich zuvor den Metallverschluss der Toilettentür gehört habe.
Bevor ich zur Toilette gegangen bin, habe ich mir in meinem Zimmer eine Art Taschenlampe vor den Kopf geschnallt und war durch die Vordertür nach draußen gegangen, weil das Schloss an der Hintertür zum Garten oft hakt. Es war zwar nicht sehr dunkel gewesen, aber wegen dem unebenen Boden war ich froh gewesen Licht zu haben.
Eigentlich wollte ich schon immer einmal das Plumpsklo ausprobieren, habe es aber erst an jenem Abend benutzt, als ich es wirklich musste. Ich weiß nicht, ob ich es sonst jemals getan hätte. Das einzige, was mich wirklich gestört hat, war dass das Händewaschen danach auch ziemlich schwierig war.
Am nächsten Tag kochte dann auf dem Gasherd die ganze Zeit Wasser in einem großen Topf und in einem großen Kessel, damit wir warmes Wasser zum Spülen hatten.
Das Kochen, was ich in dieser Woche übernommen habe, war auch ein wenig umständlich: Das Wasser zum Salat und Sellerie waschen musste ich erst aus dem Eimer holen und eben schnell die Hände unter laufendem Wasser abwaschen ging natürlich auch nicht. Das heiße Wasser durfte ich nicht zum Fleischauftauen benutzen. Deshalb habe ich eine Schüssel mit den Hähnchenkeulen und ein wenig Wasser anstelle des Deckels auf den Topf mit dem kochenden Wasser gestellt. Das hat auch geklappt.
Zum Abwaschen nach dem Abendessen haben wir kochendes so mit kaltem Wasser gemischt, dass es kühl genug für die Hände war. Nach den Nachrichten war ich erst mit Jacke auf der Toilette (es wird abends nach Sonnenuntergang ziemlich kalt), bevor ich mich zum Schlafen fertig gemacht habe. Einen halben Liter Wasser hatte ich noch in meiner Fantaflasche, davon habe ich ein Drittel zum Händewaschen gebraucht. Den Rest haben meine Zimmerpflanze und ich uns redlich zum Trinken geteilt. Nach dem Zähneputzen ist mir aufgefallen: Mist, du brauchst ja noch Wasser, um die Zahnbürste abzuspülen und das Waschbecken auszuspülen. Wohl oder übel bin ich dann noch einmal wieder in die Küche gegangen, um meine Flasche wieder aufzufüllen. Zurück in meinem Zimmer ist mir dann die Idee gekommen, erst über die Bürste Wasser fließen zu lassen und sie am Rand des Waschbeckens zu halten, dass dann das selbe Wasser auf dem Weg zum Abfluss das Waschbecken von der Zahnpasta-Spucke-Mischung reinigt. Ich muss zugeben, ich war ziemlich stolz auf mich: So eine Kleinigkeit konnte in meiner Situation mit der Wasserknappheit einen großen Unterschied machen. Wie schnell sich das Denken doch verändern kann, wenn es sein muss. Vor diesem Tag wusste ich, dass ich mich glücklich schätzen kann, fließend Wasser zu haben. Wirklich erfahren, wie es ist, ohne auszukommen habe ich aber erst an diesem Tag.

Guten Appetit!

Nachdem ich das Thema Essen in meinem vorherigen Artikel schon einmal angeschnitten habe, möchte ich nun etwas ausführlicher darüber berichten. Schon bevor ich in Südafrika war, war ich gefragt worden, wie das Essen hier so sein soll und ob ich nicht verhungern würde. Anders ist das Essen, das kann ich nicht leugnen:

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typisch afrikanisches Essen

Erlaubt mir, die einzelnen Komponenten vorzustellen:
Süßkartoffel: schmeckt (wie der Name schon sagt) süßer als (normale Salz-)Kartoffeln und ist ein wenig klebriger.
-„Pap„, das Grundnahrungsmittel der Menschen im südlichen Afrika: ein weißer Brei aus Maismehl („Mealie-Meal“). Er schmeckt zwar nach nichts, hat aber – wie ich finde – eine sehr interessante Konsistenz. Bis zu dreimal am Tag wird er in verschiedenen Variationen gegessen: morgens in einer etwas flüssigeren Form, mittags mit Gemüse und abends mit Gemüse und Fleisch.
Spinat aus dem eigenen Garten. Nur mit gebratenen Zwiebeln und Tomaten nicht zu lange gekocht und mit Salz und ein wenig Pfeffer gewürzt. Mein Lieblingsgemüse hier. Ganz oft frage ich, ob ich die Schüssel leer machen darf.
-„Kapenta„: kleine Fische, die man ganz isst, inklusive Kopf und Flossen. Einige haben ein Problem mit den offenen Augen, die einen anschauen. Sr Alicia hat die Köpfe erst abgeschnitten. Als Sr Sophia sie darauf angesprochen hat, hat jene sie aber doch gegessen. Die Fische haben natürlich auch Gräten, aber sie sind sehr flexibel, dünn und leicht zu zerkauen.
-„Mopani-Worms„. Nach ihrer Ernte werden die sie ausgequetscht und in der Sonne getrocknet. Nachdem sie frittiert und mit Salz gewürzt wurden, sind sie fertig zum Essen. Vorher kann man sie auch essen, sie sollen aber geschmacklos in diesem Zustand sein. Einige haben spitze Stacheln an der Oberseite.

Am liebsten esse ich mit den Fingern. Man sollte es kaum glauben, aber es gibt dabei sogar besondere Techniken. Die folgende ist mein Favorit, Sr Annah hat sie mir gezeigt. Zuerst formt man eine Kugel aus dem Brei. Dabei darf auch die Handfläche „dreckig“ werden. Danach dellt man den Ball mit den Daumen ein wenig ein. In die so entstandene Delle wird anschließend mit dem Daumen der Spinat gedrückt. Diese Technik bevorzuge ich persönlich beispielsweise. Normalerweise beisst man ein Stück ab und benutzt das Breibällchen mehrmals, ich stopfe immer das ganze in meinen Mund. Ich muss also noch ein wenig üben. 😉