Ein ganzes Huhn

… habe ich gegessen, aber zum Glück nicht an einem Tag. Wie zu erahnen ist, geht es wieder einmal ums Essen. Ich hoffe, ich langweile euch nicht. Dieses Mal geht es speziell um Hähnchen. Die Südafrikaner essen richtig viel davon. Im Supermarkt gibt es extra eine Auswahl Hähnchengewürz. Eine Fastfoodkette, die nur Hühnerfleisch anbietet und in Deutschland eher seltener auftritt, ist in Südafrika sogar noch mehr verbreitet als Mecces. Mittlerweile bin ich an einem Punkt, an dem ich keine Hühnerkeulen mehr sehen kann. Sie schmecken mir auch nicht mehr wirklich.
Dieser Artikel erzählt wieder von Botshabelo, weil es hier in Kapstadt wegen meinem Blog leider immer noch nicht geklärt ist.
Dort landen neben den Flügeln und Keulen auch öfters einmal die Hälse auf dem Tisch. Man kann das Fleisch dann zwischen den einzelnen Wirbeln wegessen. Die Steigerung darauf waren die Innereien, die ein wenig zäher als das Fleisch, aber sonst in Ordnung waren. Mich hat es nur ein wenig genervt, dass sie zwischen meinen Zähnen stecken blieben.
Anders wurde es dann an jenem Abend, als es die Füße gab: um die zu essen, brauchte ich Sr Annah zum Vormachen. Man reißt eine Zehe nach der anderen vom Fußballen ab und isst sie mit Knochen und Gelenken. Ein Knochen steckte dabei zwischen meinen oberen Backenzähnen fest und hat mich in die Zunge gepiekt. Man kann die Knochen einigermaßen zerkauen, sie sind ziemlich dünn. Außerdem habe ich im Biologie-Unterricht irgendwann einmal gelernt, dass die Knochen von Vögeln von innen hohl sind, damit sie nicht so viel wiegen und besser fliegen können. Schöne Grüße an die Biologie-Lehrer an dieser Stelle, etwas habe ich doch behalten. 😉
Den Beinknochen wollte ich nicht mehr, der war mir dann doch zu dick und zu viel. Obwohl man ihn auch essen kann. Ich habe mich darauf beschränkt, den Ballen und die Haut davon abzuknabbern.
Das schlimmste habe ich aber ein paar Minuten vorher gegessen: den Kopf. Er war mit Abstand das ekeligste, was ich jemals gegessen habe, soweit ich mich erinnern kann. Erst habe ich nur die Haut vom Schädel abgeknabbert, bis Sr Annah mir wieder einmal vorgemacht hat, wie man den isst: Zuerst beißt man den Schnabel ab. Wobei man ihn nicht wirklich durchbeißen kann, man muss auch ziehen, damit er sich vom Rest des Kopfes trennt. Ich habe ziemlich lange auf den Knochen herumgekaut, es waren fast nur Knochen. Sr Annah hatte in der Zeit ihren Kopf schon halb auf. Der nächste Bissen war der schlimmste von allen: Ich konnte fühlen, wie ich den Schädel zerstörte, die Schädeldecke durchzog ein langer Riss von den Augen bis zum Hinterkopf. Das Gehirn, was ich zum ersten Mal in den Mund bekam, war ziemlich ekelig.
Irgendetwas hing an dem halben Kopf hinunter, ich zog es ab und stellte fest, dass es ein Auge war. Das andere hatte ich bereits gegessen. Sr Annah forderte mich auf, es nicht so lange anzugucken, sondern einfach in den Mund zu stecken. Dort habe ich gefühlt, wie die Teile der Augenhülle sich um meine Zunge legten. Ich musste das Essen zwar nicht ausspucken, mich aber zwingen weiter zu essen.

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Nach dem Kopf musste ich mir erst einmal die Kartoffel gönnen. Auf meinem Teller war nach dem Abendessen nur noch der Beinknochen, alles andere habe ich artig verputzt, auch wenn es teilweise alles andere als lecker war.