Ein ganzes Huhn

… habe ich gegessen, aber zum Glück nicht an einem Tag. Wie zu erahnen ist, geht es wieder einmal ums Essen. Ich hoffe, ich langweile euch nicht. Dieses Mal geht es speziell um Hähnchen. Die Südafrikaner essen richtig viel davon. Im Supermarkt gibt es extra eine Auswahl Hähnchengewürz. Eine Fastfoodkette, die nur Hühnerfleisch anbietet und in Deutschland eher seltener auftritt, ist in Südafrika sogar noch mehr verbreitet als Mecces. Mittlerweile bin ich an einem Punkt, an dem ich keine Hühnerkeulen mehr sehen kann. Sie schmecken mir auch nicht mehr wirklich.
Dieser Artikel erzählt wieder von Botshabelo, weil es hier in Kapstadt wegen meinem Blog leider immer noch nicht geklärt ist.
Dort landen neben den Flügeln und Keulen auch öfters einmal die Hälse auf dem Tisch. Man kann das Fleisch dann zwischen den einzelnen Wirbeln wegessen. Die Steigerung darauf waren die Innereien, die ein wenig zäher als das Fleisch, aber sonst in Ordnung waren. Mich hat es nur ein wenig genervt, dass sie zwischen meinen Zähnen stecken blieben.
Anders wurde es dann an jenem Abend, als es die Füße gab: um die zu essen, brauchte ich Sr Annah zum Vormachen. Man reißt eine Zehe nach der anderen vom Fußballen ab und isst sie mit Knochen und Gelenken. Ein Knochen steckte dabei zwischen meinen oberen Backenzähnen fest und hat mich in die Zunge gepiekt. Man kann die Knochen einigermaßen zerkauen, sie sind ziemlich dünn. Außerdem habe ich im Biologie-Unterricht irgendwann einmal gelernt, dass die Knochen von Vögeln von innen hohl sind, damit sie nicht so viel wiegen und besser fliegen können. Schöne Grüße an die Biologie-Lehrer an dieser Stelle, etwas habe ich doch behalten. 😉
Den Beinknochen wollte ich nicht mehr, der war mir dann doch zu dick und zu viel. Obwohl man ihn auch essen kann. Ich habe mich darauf beschränkt, den Ballen und die Haut davon abzuknabbern.
Das schlimmste habe ich aber ein paar Minuten vorher gegessen: den Kopf. Er war mit Abstand das ekeligste, was ich jemals gegessen habe, soweit ich mich erinnern kann. Erst habe ich nur die Haut vom Schädel abgeknabbert, bis Sr Annah mir wieder einmal vorgemacht hat, wie man den isst: Zuerst beißt man den Schnabel ab. Wobei man ihn nicht wirklich durchbeißen kann, man muss auch ziehen, damit er sich vom Rest des Kopfes trennt. Ich habe ziemlich lange auf den Knochen herumgekaut, es waren fast nur Knochen. Sr Annah hatte in der Zeit ihren Kopf schon halb auf. Der nächste Bissen war der schlimmste von allen: Ich konnte fühlen, wie ich den Schädel zerstörte, die Schädeldecke durchzog ein langer Riss von den Augen bis zum Hinterkopf. Das Gehirn, was ich zum ersten Mal in den Mund bekam, war ziemlich ekelig.
Irgendetwas hing an dem halben Kopf hinunter, ich zog es ab und stellte fest, dass es ein Auge war. Das andere hatte ich bereits gegessen. Sr Annah forderte mich auf, es nicht so lange anzugucken, sondern einfach in den Mund zu stecken. Dort habe ich gefühlt, wie die Teile der Augenhülle sich um meine Zunge legten. Ich musste das Essen zwar nicht ausspucken, mich aber zwingen weiter zu essen.

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Nach dem Kopf musste ich mir erst einmal die Kartoffel gönnen. Auf meinem Teller war nach dem Abendessen nur noch der Beinknochen, alles andere habe ich artig verputzt, auch wenn es teilweise alles andere als lecker war.

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Frohes Neues Jahr! – Happy New Year! – Gelukkige Nuwe Jaar!

Alles Gute für 2014 wünsche ich euch. Vielen Dank, dass ihr den Blog -im Gegensatz zu mir- noch nicht aufgegeben habt.
Ich habe fast vergessen, dass heute Silvester ist, obwohl es immer eine Woche nach Weihnachten ist. Weihnachtsstimmung ist bei mir nicht wirklich aufgekommen:
-Es ist Sommer und 25-30*C warm. Deshalb gehen wir regelmäßig im Pool schwimmen. In den Läden wird aber trotzdem mit reichlich Kunstschnee dekoriert.
-Die Weihnachtsbäume sind alle künstlich und übertrieben mit Glitzerzeug behängt. Ich persönlich finde es ziemlich kitschig. Aber urteilt selbst:

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-Die Weihnachtslieder sind nicht ruhig und besinnlich, sondern eher zum Tanzen geeignet.
-Ich habe es nur ein Mal geschafft, mit den Kindern Plätzchen zu backen (und das ist auch nicht so abgelaufen, wie ihr mir das vorgestellt habe). Die Kinder haben das Backen -und noch mehr das Resultat- genossen.
Generell hänge ich der Zeit ziemlich hinterher, deshalb habe ich mir anlässlich dieses besonderen Tages keine tiefsinnigen Worte für euch überlegt. Das ist nicht gerade meine Stärke und erst recht nicht spontan. Für 2014 habe ich nur ein Zitat von Nelson Mandela, das mir immer wieder Mut macht: „Das Größte, was man im Leben erreichen kann, liegt nicht darin, niemals zu fallen, sondern jedes Mal wieder aufzustehen.“ Es passt ziemlich gut zu meiner Situation.
Mein Motto für die verbleibende Zeit in Kapstadt: „Es kann nur besser werden.“ Das gilt hoffentlich auch für meinen Blog. Auf jeden Fall werde ich bald wieder etwas von mir hören lassen!

PS: Hat jemand eine Idee, was man aus leeren Dosen, wie rechts im Bild, basteln kann? Dann schreibe bitte eben einen Kommentar. Wenn du den nicht veröffentlich, sondern nur für mich lesbar haben möchtest, schreibe es dazu.

Entschuldigung

Nein, dies ist nicht der versprochene Artikel über Botshabelo. Eigentlich wollte ich ihn jetzt veröffentlichen. Aber es sind unerwartet Probleme aufgetreten. Sobald sich diese geklärt haben, werde ich mich wieder melden. Bis dahin ist die Existenz des Blogs auf Eis gelegt. Bitte entschuldigt das. Ich mag es nicht, Versprechen zu brechen, aber leider geht es nicht anders.
Schöne Grüße

Vor Botshabelo ist nach Botshabelo

Dieser Artikel hätte ganz am Anfang stehen müssen, denn hier erfahrt ihr, wie es eigentlich dazu gekommen ist, dass ich jetzt hier bin.
Ich habe ihn auf Anregung von Herrn Wöste, dem stellvertretenden Schulleiter des Gymnasiums Leoninum in Handrup, geschrieben. Wenn ihr gerne etwas zu einem bestimmten Thema wissen wollt, könnt ihr mich ruhig fragen. Vielleicht ist der nächste Artikel dann von dir initiiert. 😉 Außerdem weiß ich nicht, ob alles immer verständlich ist. Ich bemühe mich. Aber wenn ihr Nachfragen habt, seit bitte nicht gehemmt sie zu stellen.
Wie ich genau darauf kam, nach Afrika zu wollen, weiß ich nicht mehr so genau. Ich kann mich erinnern, dass mehrere junge Menschen uns in der Schule besucht haben, um uns von ihren Freiwilligen Diensten im Ausland zu erzählen. Das hat einen bleibenden Eindruck auf mich hinterlassen.
Vor einem Jahr habe ich dann meinen Eltern eröffnet, dass ich nach der Schule nach Afrika möchte. Es traf sie ziemlich unvorbereitet.
Meine Mutter hat einen Aufenthalt über eine offizielle Organisation ablehnt und auch Herr Wöste hat von diesen abgeraten, da sie sehr teuer seien. Deshalb haben wir uns nach Alternativen umgesehen: Eine war, bei den Eltern von Bekannten in Botswana in einem Krankenhaus zu arbeiten. Da ich dort aber ziemlich auf mich allein gestellt gewesen wäre, haben wir diese Möglichkeit fallengelassen.
Also blieb noch über einen Orden nach Südafrika, Simbabwe und Namibia zu gehen. Der Kontakt wurde über die Tante von Frau Wöste hergestellt. Sie hat in den einzelnen Ordenshäusern angefragt, ob und wie lange ich dort bleiben könne.
Ostermontag waren meine Mama und ich bei ihr in Johannesburg, weil der Cousin meines Vaters Hermann und seine Frau Gabriele uns eingeladen hatten 10 Tage bei ihnen zu verbringen. In dem Gespräch wurde uns gesagt, dass Namibia nicht ginge, weil es dort für mich keine Beschäftigung gäbe, ebenso wie Simbabwe, weil es dort zu gefährlich sei. Ich würde mich also mehr als drei Monate am Stück in Südafrika aufhalten, das hieß für mich: Visum beantragen. Erst habe ich mich darauf ausgeruht, dass man es nur zwei Monate vor der geplanten Einreise stellen kann, anstatt schon alle Dokumente und Unterlagen zusammen zu sammeln. Dann habe ich einen Punkt nach dem anderen auf der langen Anforderungsliste abgehakt, anstatt mehrgleisig zu fahren. Wegen dem Röntgenbericht bin ich von der Röntgenabteilung im Krankenhaus zum Internisten geschickt worden, und von ihm wieder mit dem Auftrag meine Lunge zu röntgen zum Krankenhaus. Nach ein paar Tagen konnte ich dann das ausgefüllte Formular beim Arzt abholen.
Der erste Antrag kam zurück, es fehlten ein Passfoto, Kontoauszüge und ein Befund zu dem Röntgenbericht. Zudem müsse das Bestätigungsschreiben der Schwestern nachgebessert werden. Auf meine zweite Einsendung wurde dann per E-Mail die Überweisung der Bearbeitungsgebühr gefordert, eher würde der Antrag nicht bearbeitet werden.
Aus all diesen Gründen hat sich die Ausreise von anfänglich Anfang August bis Mitte September verschoben. Die Schwestern haben mir wegen der zeitlichen Verschiebung überhaupt keinen Druck gemacht. Ich könne trotzdem wie geplant zwei Monate in Botshabelo und sechs in Kapstadt bleiben, weshalb ich sehr erleichtert war.

Am Donnerstag werde ich meinen letzten Artikel veröffentlichen, der sich auf meinen Aufenthalt in Botshabelo bezieht.

Über 24h ohne fließend Wasser

Ich möchte das Thema nicht zu sehr aufblähen, weil ich weiß, dass andere überhaupt kein fließendes Wasser haben. Da es in Deutschland aber total normal ist, dass das Wasser immer aus dem Wasserhahn kommt, möchte ich mein Erlebnis mit euch teilen.
Dass das Wasser für einige Zeit nicht mehr aus dem Hahn kommt, ist nichts ungewöhnliches hier. Zum Beispiel abends, wenn es längere Zeit nicht geregnet hat und die Leute ihren Garten sprengen. Meistens handelte es sich dabei aber höchstens um Stunden, ich konnte es also gut verkraften. Zudem sind immer zwei große Eimer mit Trinkwasser gefüllt, aus denen man sich dann bedienen kann. Womit ich jedoch mehr Probleme habe, ist wenn in der Leitung Luft ist und deshalb erst kein Wasser und es dann explosionsartig kommt, sodass alles nass wird. Allerdings ist das auch nicht tragisch/großartig schlimm, da durch die geringe Luftfeuchtigkeit alles ruckzuck wieder trocken ist.
Diesmal war das Wasser nach den Nachrichten um 19 Uhr nicht mehr da. Zum Glück hätten wir für den Abwasch nach dem Abendessen noch fließendes Wasser. Wir haben keine Spülmaschine, aber da alle sechs mithelfen, ist das schnell erledigt.
Vor meinem Zimmerfenster herrschte an diesem Abend reger Verkehr, da jeder, der auf’s Plumpsklo will, an jenem vorbei muss. Sr Sophia und ich ließen uns dadurch nicht stören, wir haben etwas an dem Computer in meinem Zimmer recherchiert. Plötzlich klopfte es. Sr Sophia sagte ja bitte und herein, doch die Geräusche hörten nicht auf. Ich musste das Lachen unterdrücken, weil ich das Klopfen an dem Fenster überhaupt nicht ernst nahm. Es war Sr Annah, die uns Angst einjagen wollte. Ich habe mir das schon fast gedacht, da ich zuvor den Metallverschluss der Toilettentür gehört habe.
Bevor ich zur Toilette gegangen bin, habe ich mir in meinem Zimmer eine Art Taschenlampe vor den Kopf geschnallt und war durch die Vordertür nach draußen gegangen, weil das Schloss an der Hintertür zum Garten oft hakt. Es war zwar nicht sehr dunkel gewesen, aber wegen dem unebenen Boden war ich froh gewesen Licht zu haben.
Eigentlich wollte ich schon immer einmal das Plumpsklo ausprobieren, habe es aber erst an jenem Abend benutzt, als ich es wirklich musste. Ich weiß nicht, ob ich es sonst jemals getan hätte. Das einzige, was mich wirklich gestört hat, war dass das Händewaschen danach auch ziemlich schwierig war.
Am nächsten Tag kochte dann auf dem Gasherd die ganze Zeit Wasser in einem großen Topf und in einem großen Kessel, damit wir warmes Wasser zum Spülen hatten.
Das Kochen, was ich in dieser Woche übernommen habe, war auch ein wenig umständlich: Das Wasser zum Salat und Sellerie waschen musste ich erst aus dem Eimer holen und eben schnell die Hände unter laufendem Wasser abwaschen ging natürlich auch nicht. Das heiße Wasser durfte ich nicht zum Fleischauftauen benutzen. Deshalb habe ich eine Schüssel mit den Hähnchenkeulen und ein wenig Wasser anstelle des Deckels auf den Topf mit dem kochenden Wasser gestellt. Das hat auch geklappt.
Zum Abwaschen nach dem Abendessen haben wir kochendes so mit kaltem Wasser gemischt, dass es kühl genug für die Hände war. Nach den Nachrichten war ich erst mit Jacke auf der Toilette (es wird abends nach Sonnenuntergang ziemlich kalt), bevor ich mich zum Schlafen fertig gemacht habe. Einen halben Liter Wasser hatte ich noch in meiner Fantaflasche, davon habe ich ein Drittel zum Händewaschen gebraucht. Den Rest haben meine Zimmerpflanze und ich uns redlich zum Trinken geteilt. Nach dem Zähneputzen ist mir aufgefallen: Mist, du brauchst ja noch Wasser, um die Zahnbürste abzuspülen und das Waschbecken auszuspülen. Wohl oder übel bin ich dann noch einmal wieder in die Küche gegangen, um meine Flasche wieder aufzufüllen. Zurück in meinem Zimmer ist mir dann die Idee gekommen, erst über die Bürste Wasser fließen zu lassen und sie am Rand des Waschbeckens zu halten, dass dann das selbe Wasser auf dem Weg zum Abfluss das Waschbecken von der Zahnpasta-Spucke-Mischung reinigt. Ich muss zugeben, ich war ziemlich stolz auf mich: So eine Kleinigkeit konnte in meiner Situation mit der Wasserknappheit einen großen Unterschied machen. Wie schnell sich das Denken doch verändern kann, wenn es sein muss. Vor diesem Tag wusste ich, dass ich mich glücklich schätzen kann, fließend Wasser zu haben. Wirklich erfahren, wie es ist, ohne auszukommen habe ich aber erst an diesem Tag.

Guten Appetit!

Nachdem ich das Thema Essen in meinem vorherigen Artikel schon einmal angeschnitten habe, möchte ich nun etwas ausführlicher darüber berichten. Schon bevor ich in Südafrika war, war ich gefragt worden, wie das Essen hier so sein soll und ob ich nicht verhungern würde. Anders ist das Essen, das kann ich nicht leugnen:

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typisch afrikanisches Essen

Erlaubt mir, die einzelnen Komponenten vorzustellen:
Süßkartoffel: schmeckt (wie der Name schon sagt) süßer als (normale Salz-)Kartoffeln und ist ein wenig klebriger.
-„Pap„, das Grundnahrungsmittel der Menschen im südlichen Afrika: ein weißer Brei aus Maismehl („Mealie-Meal“). Er schmeckt zwar nach nichts, hat aber – wie ich finde – eine sehr interessante Konsistenz. Bis zu dreimal am Tag wird er in verschiedenen Variationen gegessen: morgens in einer etwas flüssigeren Form, mittags mit Gemüse und abends mit Gemüse und Fleisch.
Spinat aus dem eigenen Garten. Nur mit gebratenen Zwiebeln und Tomaten nicht zu lange gekocht und mit Salz und ein wenig Pfeffer gewürzt. Mein Lieblingsgemüse hier. Ganz oft frage ich, ob ich die Schüssel leer machen darf.
-„Kapenta„: kleine Fische, die man ganz isst, inklusive Kopf und Flossen. Einige haben ein Problem mit den offenen Augen, die einen anschauen. Sr Alicia hat die Köpfe erst abgeschnitten. Als Sr Sophia sie darauf angesprochen hat, hat jene sie aber doch gegessen. Die Fische haben natürlich auch Gräten, aber sie sind sehr flexibel, dünn und leicht zu zerkauen.
-„Mopani-Worms„. Nach ihrer Ernte werden die sie ausgequetscht und in der Sonne getrocknet. Nachdem sie frittiert und mit Salz gewürzt wurden, sind sie fertig zum Essen. Vorher kann man sie auch essen, sie sollen aber geschmacklos in diesem Zustand sein. Einige haben spitze Stacheln an der Oberseite.

Am liebsten esse ich mit den Fingern. Man sollte es kaum glauben, aber es gibt dabei sogar besondere Techniken. Die folgende ist mein Favorit, Sr Annah hat sie mir gezeigt. Zuerst formt man eine Kugel aus dem Brei. Dabei darf auch die Handfläche „dreckig“ werden. Danach dellt man den Ball mit den Daumen ein wenig ein. In die so entstandene Delle wird anschließend mit dem Daumen der Spinat gedrückt. Diese Technik bevorzuge ich persönlich beispielsweise. Normalerweise beisst man ein Stück ab und benutzt das Breibällchen mehrmals, ich stopfe immer das ganze in meinen Mund. Ich muss also noch ein wenig üben. 😉

Eine Beerdigung in Lesotho

Sr Fides ist im Alter von knapp 70 Jahren in Mohale’s Hoek verstorben, deshalb war am vorherigen Samstag ihre Beerdigung. Bis auf Sr Annah sind alle mitgekommen, im Auto war kein Platz mehr für sie. Obwohl ich mich auch mit einem Platz auf der Rückbank zufrieden gegeben hätte, durfte ich vorne sitzen, um mich mit Sr Adelberta beim Fahren abzuwechseln.
Die erste Stunde Fahrt wurde als Meditation schweigend verbracht. Ich habe sie genutzt, um noch ein wenig Schlaf nachzuholen. 😛 Denn ich bin um 5:20 Uhr aufgestanden, weil wir um 6 Uhr los wollten. Deshalb war es mir auch ganz Recht, dass Sr Adelberta mit dem Fahren anfing.
An der Grenze lief es dann wie folgt ab: parken und aussteigen um den Pass von einem südafrikanischen Beamten abstempeln zu lassen, im Auto über die Grenze fahren und die Gebühren bezahlen (umgerechnet 2.50€), wieder parken um ein Formular des Königreichs Lesotho mit Angaben über den Reisepass und Aufenthaltsort und -zeit auszufüllen, Pass abstempeln lassen. Auf südafrikanischer Seite waren ein Fahnenmast mit beiden Staatsflaggen, Barrieren und mehrere Gebäude mit grünem Dach (darunter auch eine Toilette). Auf lesothischer Seite nur eine Schranke und ein kleines Häuschen. Es war das erste Mal, dass ich eine Grenze außerhalb Europas nicht mit dem Flugzeug überquert habe.

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In dem Gebäude rechts wurde der Pass von einem südafrikanischem Beamten abgestempelt, danach durften wir unter dem Dach hinüber zur lesothischen Grenze fahren.

Als es weiter gehen sollte, hieß es dann, die Straßen in Lesotho seien noch schlechter als in Südafrika. Deshalb könne Sr Adelberta wohl weiterfahren. Letztendlich war die Straße in Lesotho immer geteert (was in Südafrika um Wepener herum nicht der Fall war) und die Löcher wurden netterweise mit weißer Farbe eingeklammert. Wenn sie dadurch auch nicht verschwinden, so konnte man sie wenigstens eher sehen. Allerdings muss ich zugeben, dass einige Straßen erst seit kurzer Zeit geteert sind.
Als wir dann beim Ordenshaus angekommen sind, war erst keine Menschenseele zu sehen. Eine der dort wohnenden Schwestern zeigte uns schließlich, wo wir parken können und – viel wichtiger für einige – wo die Toiletten sind. Nachdem ich einen Programmzettel in die Hand gedrückt bekam, kam ich zu der Stelle, wo der Sarg in einen Pickup mit Überdachung (ich weiß nicht, wie ich das sonst nennen oder beschreiben soll; wenn jemand das weiß, kann sie/er das ja als Kommentar schreiben; solche Autos sieht man hier öfter) verlanden wurde.
Anschließend gingen singend wir zu Fuß hinter dem Auto her zur „Cathedral“, wobei ich das eher mit Kirche übersetzen würde. Das Gebäude hatte eine T-Form, in der Mitte war der Altar und von drei Seiten jeweils zwei Bankreihen. Ich saß mit den Nonnen in dem senkrechten Stück. Irgendwann gingen ziemlich viele nach vorne. Ich dachte, ich bleibe lieber sitzen, weil ich die Verstorbene noch nie gesehen hatte und nicht unnötig Aufmerksamkeit erregen wollte. Wie ich später erfahren sollte, war es die Kollekte. Daran muss ich mich auch noch erst gewöhnen: Bei den afrikanischen Messen geht jeder nach vorne, um ein Grundstück in den dafür vorgesehenen Korb zu geben. (Ein ausführlicherer Bericht über Kirche im Allgemeinen folgt noch.)
Als die Kommunion dann stattfand, habe ich das auch erst relativ spät geschnallt, sodass ich als eine von den letzten nach vorne ging. Vorm Altar stand der Sarg, was an sich ja nichts ungewöhnliches ist. Als ich jedoch daneben stand, stellte ich plötzlich erschrocken fest, dass ich das Gesicht der Verstorbenen sehen konnte.  Über dem Kopf war im Sarg nur eine Glasscheibe und der Holzdeckel lag daneben. Das war das erste Mal, dass ich eine Tote in echt gesehen habe. Nach dem ersten Schreck fand ich das eigentlich ganz interessant, aber ich wollte auch nicht ewig auf das Gesicht starren, deshalb ging ich weiter, um die Hostie in Empfang zu nehmen.
Danach hoffte ich, dass ich Messe bald zu Ende sein würde, schließlich waren wir schon seit zwei Stunden in der Kirche, mir war zwischendrin ziemlich schwindelig und ich war kurz vorm Einschlafen. Der schlimmste Teil sollte aber noch kommen: eine Stunde lang Reden von allen möglichen Personen. Angefangen von einem Familienmitglied über Ordensangehörige, Bürgermeister bis zum über 80jährigen Bischof. Die Priester saßen auf Hockern hinter dem Altar und verschwanden während der Reden immer mal wieder durch Türen in der Rückwand. Einige von ihnen machten einen extrem gelangweilten Eindruck, einer ist sogar eingeschlafen und wurde durch einen Rippenstoß von seinem Nachbarn wieder aufgeweckt.
Nach einem Magnificat und Abschlussgebet ging es wieder zu Fuß und singend hinter dem Auto zurück zum Grab neben dem Ordenshaus. Das Auto fuhr bis an jenes heran, um den Sarg ins Grab hinabzulassen. Singend blieben alle am Grab, bis es mit Erde gefüllt war. Vorher wurden die Programmzettel wieder eingesammelt und mit in das Grab geben. Das ist ein hier üblicher Gebrauch. Sr Sophia meinte später dazu, nachdem Sr Adelberta uns das erklärt hatte: „Dann fliegen die wenigstens nicht als Müll in der Gegend herum.“
Danach gab es Essen vom Buffett. Unterwegs mussten wir uns noch die Hände waschen, auch ein Brauch, genau wie eine ganze Kuh zu schlachten. Das Fleisch wurde in drei Variationen angeboten: paniert, in kleinen Bällchen und in grau. Ich habe alles probiert und dachte, das erste wäre das leckerste und das letzte das am wenigsten lecker. Genau das Gegenteil war aber der Fall. Das panierte habe ich nicht einmal aufgegessen, weil es erstens kalt war und ich zweitens nicht genau herausfinden konnte, was genau (Panade, Fleisch oder Knochen) ich gerade im Mund hatte. Bei Fleisch bin ich ziemlich pingelig. Dazu habe ich Erbsen und Möhren und „Samp“ (Maisbrei) gegessen.
Als Getränk wurde eine Art Ginger angeboten, der im ersten Moment süß und lecker war, dann aber sauer/scharf wurde. Ich kann das nicht genau beschreiben, aber es war total unangenehm. Dementsprechend froh war ich, als ich das in zwei Anläufen auf hatte und dass auf dem Tisch eine Karaffe mit Wasser stand, aus der ich mir reichlich nachgefüllt habe, um den Geschmack wegzuspülen. Als Nachtisch gab es ein Gebäck, das ich richtig lecker fand.
Am Ende des Saals war ein extra Tisch für die Familienangehörigen. Die Wand dahinter war mit violetten und weißen Tüchern und Schleifen bedeckt, was meiner Meinung nach ziemlich kitschig aussah.
Nach dem Essen mussten wir uns wieder für den Rückweg rüsten, schließlich lagen noch vier Stunden Fahrt vor uns und es ist nicht gerade empfehlenswert, einige Straßen wegen der Schlaglöcher im Dunkeln zu benutzen.
Unser Auto stand im Weg, und weil Sr Adelberta sich gerade auf die Suche nach den Simbabwerinnen gemacht hatte, habe ich das Auto zur Seite gefahren. Also bin ich auch in Lesotho schon einmal Auto gefahren. Sr Adelberta hat dann aber wieder übernommen, damit ich Fotos machen kann, was ich auch gründlich genutzt habe. (Leider kann ich nicht so viele Fotos hochladen, das gibt die Internetverbindung nicht her.)
Glücklicherweise hat meine Kamera bis zum Schluss durchgehalten, obwohl der Akku schon rot geblinkt hat.
Ich dachte, Lesotho und Südafrika würden sich nicht in der Landschaft, sondern in Geschäften und Wohnhäusern unterscheiden.

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Shoprite gibt es auch in Botshabelo

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Runde Häuser waren extrem selten zu sehen, meist sahen sie so wie in Südafrika aus.

Aber es war wieder einmal eher das Gegenteil der Fall: die Berge waren höher in Südafrika und die Bodenerosion extrem.

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Außerdem waren die Häuser nicht so auf einer Stelle geballt, sondern fast gleichmäßig verteilt. Deshalb hat man auch ganz oft Fußgänger gesehen, die ebenfalls die Straße benutzten. Deswegen und weil es keine Zäune gibt, um das Vieh von der Straße abzuhalten, sind auch nur 50 km/h (in Südafrika sind innerorts 60 km/h) erlaubt. Ich hatte während der ganzen Fahrt das Privileg vorne zu sitzen, mit viel Platz für meine kurzen Beine zu haben und Fotos durch die Frontscheibe zu schießen, ohne großartig gefahren zu haben.